Warten auf Godot!

„Well, shall we go?“
„Yes, let’s go.“
They do not move.

Jetty

Dank euch!

Welches Problem hat der SPIEGEL mit Israel?

Matthias Küntzel zur aktuellen Titelstory im Spiegel:

Über „Killerkommandos“, „Agententrupps“, „Zauberwaffen“ und ein „Talmud-Gebot“

Dies sind aufregende Tage: Wird Iran Atomwaffenmacht werden? Werden Israel und/oder die USA diesen Alptraum verhindern? Haben Sanktionen noch eine Chance? Und – wichtiger, denn je: Wird Deutschland, das die Sicherheit Israels zum Bestandteil seiner Staatsräson erklärt, den jüdischen Staat unterstützen?

Wohl kaum! – erklärte Henryk M. Broder am 4. März 2012 in der „Welt am Sonntag“. „Die historische Verantwortung Deutschlands erschöpft sich darin, ,die Erinnerung an den Holocaust wachzuhalten‘, nicht etwa die kommende Endlösung der Nahostfrage zu verhindern. … Bei einer Emnid-Umfrage vom November 2011 waren sich 70 Prozent der Befragten der ,ernsthaften Gefahr‘ bewusst, die das iranische Atomprogramm für Israel bedeutet, dennoch sprachen sich 83 Prozent dafür aus, dass Deutschland neutral bleibt, falls es zu einem militärischen Konflikt zwischen Israel und dem Iran kommen sollte.“

Eine Probe aufs Exempel ist die heutige Ausgabe des SPIEGEL, dessen Titel unter der Schlagzeile „Irans geheimes Atom-Programm – Krieg um die Bombe?“ einen hämisch lachenden Mahmoud Ahmadinejad zeigt, der in Messias-Pose einem riesigen Atompilz entsteigt.

weiter

Dresden nazifrei?

Dass die Demonstration des Bündnis Dresden-Nazifrei so groß war, hat mich, ehrlich gesagt, überrascht. Da sich jedoch nahezu das gesamte Gruselkabinett sich als links verstehender Gruppen daran beteiligte, relativiert die Sache erheblich. Der sympathischste Block war der Block der antisächsischen Extremist_innen. Aber selbst von dessen Lauti kam ein Aufruf für eine antifaschistische Demo in Dortmund, der völlig unreflektiert an ein Gemeinschaftsgefühl appellierte, das die Naziaufmärsche in Dresden und Dortmund in der Vergangenheit ver- oder zumindest behindern konnte und dem Anfang des Videos der Filmpiraten als akustische Untermalung dient.

Bevor es letztendlich losging das nächste Ding. Die Demoleitung versuchte eine vernünftige Demoaufstellung der Blöcke zu koordinieren. Anscheinend ist ihnen nichts dümmeres eingefallen, als das nach Regionen vorzunehmen. Einzig der extrem_ist_in-Block mochte da nicht so ganz reinpassen. Berlin übernahm die Führung, es folgten Ostdeutschland (grob zusammengefasst), die antisächsischen Extremist_innen, Nordrhein-Westfalen etc. Ob die Aufteilung nun wirklich so erfolgte oder ob sich doch eher nach politischer Überzeugung, denn nach Herkunft und Wohnort organisiert wurde, kann ich nicht mit Sicherheit sagen.

So ging es bei bestem Wetter durch die Stadt. Das klappte aufgrund der Größe der Demo nicht ohne einige Wartepausen. Überbrückt wurden diese mit guten Redebeiträgen. Der, der AG17 aus Erfurt stach besonders hervor, da sich darin kritisch mit Anlass der Demo und dem Bündnis auseinandergestzt wurde. Der Block selbst war ziemlich leise. Sprüche kamen nur von einigen wenigen und wurden selten übernommen. Selbst als die Demo an der Staatskanzlei vorbeizog, änderte sich das nicht. Am Neustädter Bahnhof wurde die Zwischenkundgebung abgehalten. Dort formierte sich ein Block von ca. 200 Leuten, der in den Bahnhof strömte. Danach war eine deutlich bessere Stimmung erkennbar und es ging ein wenig lauter als zuvor zum Haus der Begegnungen, das im letzten Jahr nach den Protesten am 19. Februar von der Polizei durchsucht wurde, wo die Demo enden sollte.

Als die Lautis noch abgebaut wurden, stürmte die Polizei in die wartenden Demonstranten, musste sich jedoch schnell wieder zurückziehen. Laut Dresden-Nazifrei war der Anlass dafür die Enttarnung eines Anti-Antifa-Fotografen, der der Polizei übergeben wurde und Demoteilnehmer die Übergabe fälschlicherweise als Festnahme deuteten und eingriffen. In der Kommentarspalte auf Indymedia jedoch wird ein anderer Anlass kolportiert. Angeblich gab es eine Auseinandersetzung zwischen Antideutschen und Antiimperialisten, die zum Teil handfest geführt wurde und die Polizei daraufhin eingriff.

Fazit: Dresden war an diesem Tag genauso nazifrei, wie an jedem anderen Tag im Jahr. Es war richtig und wichtig den Samstag nach dem 13. Februar mit eigenen Inhalten zu füllen und nicht den Nazis auf jedes Dorf zu folgen. Ob dies in einem solch breiten Bündnis geschehen muss, sollte zumindest diskutiert werden. Ein eigener Block kann nur als Kompromiss, mit alles andere als emanzipatorischen Gruppen, gesehen werden.



kostenloser Counter